Jedes Jahr im Herbst fühle ich mich inspiriert über ihn zu schreiben. Nicht nur die Schönheit des Loslassens, die er uns jedes erneut Jahr vor Augen führt und über die ich schon geschrieben habe. Aber auch die Farben, die so satt, warm und so vergänglich die Natur vereinnahmen, sind mir, wie ein Meer in das man eintauchen kann. Kennt ihr das? Ich selbst finde Texte, die Natur beschreiben unfassbar langweilig. Und doch schreibe ich selbst gern über sie. Vielleicht ist es der Zauber des Alltäglichen, den ich manchmal doch in diesen Texten abbilden möchte. So wie eine Zeichnung, nur ohne das Bild. Liest das denn dann irgendjemand? Ich nehme euch dabei mit auf einen kleinen Herbstspaziergang:
Ich spaziere über Gegenden und schaue mich um. Zwischen all dem Grün, das meinen Weg säumt, sehe ich immer wieder rote und gold-gelbe Reflexe durchleuchten. Diese Farbreflexe im satten Grün schaffen in mir eine angenehme Begeisterung. Ich spüre Glücksgefühle und eine leichte unaufgeregte Freude in mir.
Ich spaziere weiter und mein Blick streift ein Feld, aus dem in unregelmäßigen Abständen Sonnenblumenhalme gesprenkelt sind. Die Sonnenblumenköpfe zitieren die Sonne, wie sie am Himmel steht, und folgen ihrer Muse über den Tag hinweg.
Ich spaziere weiter durch den Wald. Die goldenen, gelben, grünen und braunen Blätter umgeben mich von jeder Seite. Am Boden breiten sie sich wie ein Teppich aus, der mich vor dem immer kälter werdenden Boden schützt. Auf der Seite weht der Wind sie wie im Blätterregen um meine Ohren. Wenn ich die Augen zukneife, sieht es aus, wie rot-goldenes Konfetti. Über mir auf den Baumkronen leuchten sie wie Lichterketten am Weihnachtsbaum. Wie ein Kind, wenn es den vollbehangenen, hell erleuchteten Weihnachtsbaum sieht, starre ich mit lächelndem Mund und großen Augen um mich.
In meinen Ohren spielt leise Klavier und Gitarrenmusik, die das Tosen des Windes in ihre Musik miteinbeziehen. Immer tiefer in den Wald hinein, und der Wind wird leiser. Der Blätterregen hört auf. Das Leuchten der Baumkronen wird gedimmt von den Wolken, die sich herunterschleichen und je tiefer ich in den Wald hineingehe, desto dichter treten sie an mich heran. Von allen Seiten hüllen sie mich ein in eine Wattedecke, die sich feucht auf meine Kleidung legt.
Der Nebel überführt die Welt ins Mystische, wo vor dem nächsten Schritt alles liegen kann. Boden, ein Baum, eine Feenarmee, oder eine Höhle, in der ein Zwerg wohnt. Wer weiß, vielleicht treffe ich ja Merlin auf meinem Weg durch die Welt? Mein Körper fühlt sich etwas klamm an. Ich beschließe, wieder umzukehren, und freue mich auf zu Hause, wo ich mich mit einer warmen Tasse Kakao, gefolgt von einer Kanne Tee auf meinen Lesesessel verkriechen werde. Das weiche Moos unter meinen Füßen hinterlässt feuchte Tropfen auf meinen Schuhen. Bevor ich ins Haus gehe, muss ich sie abtrocknen.


