Wir wissen beide, dass es ein Abschied für immer ist. Als der Zug aus dem Bahnhof abfährt, deine Landschaft an mir vorbeizieht, rinnen Tropfen über die Zugfensterscheibe. Ganz so, als würdest du über meinen Abschied weinen.
Die salzgetränkte Heimatluft ist eine Erinnerung. Fest eingespeichert in meinem Gehirn.
Ich denke an all die Sonnenuntergänge und die Momente an denen der starke Wind, der über dich hinwegfegte all meine Sorgen, Ängste und Probleme mitnahm. Aber Probleme kommen wieder, wie ein Bumerang.
So sehr ich sie auch im Wind zurücklassen will, so werden sie doch immer zwischen uns stehen. Wenn diene sandigen Böden meine Füße umschließen, deine frische Morgenluft mir den Atem raubt. Wenn dein Flüstern in meinem Ohr Hoffnung verspricht, die sich als Luftschloss entpuppt und bei näherem Hinsehen wie eine Seifenblase zerpoppt.
Wir haben es versucht. Du und ich. Wir beide wissen, dass du in tiefschwarzer Nacht untergehen wirst. Nicht mehr auf den Landkarten der Welt sichtbar.
Der Zug rollt unweigerlich vorwärts. Hinter mir ein reißender Tsunami.
Wolkenkratzerübertürmend zieht er dich in die tiefen Schluchten des Nichts.
Ich rolle davon. Der Ungewissheit entgegen. Meine Wangen sind Nass von den Regentropfen am Fenster.
Mein Geist ist noch erfüllt noch von dir. Gerissen ins Nichts. Tiefschwarze nacht verspricht aber vor mir mit einzelnen Sonnenstrahlen eine Zukunft. Verspricht den Winter zu verlassen, flüstert von ersten Frühlingsboten vorraus.
Mein Herz ist noch erfüllt von der Ungewissheit. Dem Abschied.
Was ist Zukunft?
Ohne Heimat?
Allein.
Kälte durchdringt mich und lässt mich erzittern.
Wird mir jemand einen warmen Kakao bringen? Vielleicht die Sonnenstrahlen, die der Morgen verspricht? Vielleicht die frische Brise am Bahnsteig, nach der langen Fahrt?
Wird mir jemand eine Umarmung schenken? Vielleicht die neue Wohnun? Die leer ist, wie ich? Noch darauf wartet befüllt zu werden mit Geschichten und Erinnerungen?
Vielleicht das Lächeln des Nachbars? Aber es wartet niemand mit heißem Kakao oder Umarmung.
Es sucht niemand meine Umarmung. Ich kaufe mir selbst den Kakao, dazu eine Decke in die ich mich wickle und auf den kalten Boden der neuen Wohnung zusammenkauere, die ich noch von mir mit Geschichten und Erinnerungen gefüllt werden will.
Ich gehe weiter, einen Schritt vor den anderen, setze Stein um Stein für mein neues Leben. Hoffe darauf, dass es zu Hause wird.
Aber das wird es nie.
Es wird Gefängnis. Es wird Wüste. Es wird das große weite Nichts.
Überall und nirgends flüstert das Gehirn vom alten Leben, der waren Heimat.
Die aber im Nichts ist. Die nicht mehr ist.
Verwischt und verschwommen erscheint die eigene Identität. Entwurzelt. Unwiederbringlich heimatlos. Gefangen in unendlicher Weite.
Diese Geschichte habe ich mit folgendem Schreibprompt geschrieben:
Schreibe über einen Abschied, Beschreibe nicht, warum erfolgt.
Lass nur die Gegenstände, das Licht und die Geräusche davon erzählen.
Versuche es doch auch mal!


